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Warum ich gerne eine primitive Dilettantin bin | blickwechsel

Warum ich gerne eine primitive Dilettantin bin

Gepostet Von Gabriele Erfurth am 30. 05. 2014 |


Da staunen Sie, was? Hätten Sie mir gar nicht zugetraut? Aber ich bitte Sie – warum sollte ich es nicht genießen, die erste Verlockung meiner Art zu sein? Etwa so wie Marilyn Monroe? Die war auch eine primitive Dilettantin.

Wie ich darauf komme? Ganz einfach: „primitiv“ kommt vom Lateinischen „primitivus“ und bedeutet der Erste seiner Art, zu „primus“, der Erste. Das kennen wir ja vom Klassenbesten.

Tja, und der Dilettant, der hängt ganz eng mit dem englischen „delight“ = Entzücken zusammen. Beides wurzelt im lateinischen „lacere“ und heißt locken, ködern. Denn der „laqueus“ war der zur Schlinge gelegte Strick, den Jäger benutzten, um Tiere zu fangen. In der Schlinge lag der Köder. Im Lauf der Zeit wurde der gesamte Vorgang dann der Einfachheit halber unter dem Begriff „lactare“ zusammengefasst, was in die Schlinge locken bedeutet.

Über die Jahrhunderte entwickelte sich daraus „delectare“ mit der aus dem „Locken“ übertragenen Bedeutung amüsieren, sich ergötzen. Und damit spricht alles dafür, mit Begeisterung eine primitive Dilettantin zu sein – die erste Verlockung ihrer Art!

Der Dilettant in seiner heutigen Bedeutung als Stümper hat übrigens einen langen Weg hinter sich: Zunächst wurde damit ein Künstler bezeichnet, der keine klassische Berufsausbildung hatte, sondern nur so zum Spaß, zum Amüsement malte. Dann erweiterte sich der Begriff auf den Kunstliebhaber ganz allgemein, der in der Regel selbst nicht künstlerisch tätig war (dieser Liebhaber heißt fremdwörtlich auch „Amateur“). So wurde „Dilettant“ stellvertretend für den Laien verwendet und erhielt schließlich in unserer Zeit, in der „Nicht(s)könner“ schlecht angesehen sind, seine abwertende Bedeutung. – Erinnert ein bisschen an die Geschichte der Schule (s. Beitrag „Schule und Pizza“). Wir scheinen einen Hang dazu zu haben, Angenehmes schlecht zu reden…